Ohne Individualverkehr und Bargeld gibt es keine Freiheit

Am 18. November 2022 schrieb ich auf Twitter: 

Der Post erfuhr viel Zustimmung, aber auch Widerspruch. Deswegen möchte ich gerne erläutern, warum ich recht habe. Wie immer.

Ich beginne mit dem eigenen Fahrzeug, einem Garanten für Unabhängigkeit. Nicht umsonst heißt es: „Act your age – get a car.“ 

Autos im sozialistischen Fadenkreuz

Kollektiv genutzte Verkehrsmittel können Sie selbstverständlich auch von A nach B befördern. Aber halt immer nur von Bahnhof zu Bahnhof oder Haltestelle zu Haltestelle. Und das auch nur im Rahmen des Fahrplans. Mit Zwischenstopps an Plätzen, die nicht Ihr Ziel sind. 

Mit Ihrem eigenen Fahrzeug hingegen, wozu ja sogar ein Fahrrad zählt, können Sie Ihr Ziel direkt ansteuern und erreichen. Wann immer Sie wollen. Und wenn Ihnen unterwegs einfällt, dass Sie Ihren Geldbeutel vergessen haben, drehen Sie einfach um und holen ihn. Mit einem Auto haben Sie zudem erhebliche Kapazitäten für die Mitnahme diverser Einkäufe. Nicht umsonst stehen die meisten Supermärkte auf der grünen Wiese neben der Stadt, umgeben von einem schönen großen Parkplatz. 

Geradezu absurd ist auch, wie den Autofahrern von der Umweltlobby permanent unterstellt wird, diese führen aus Jux und Tollerei herum. Bei den Kraftstoffpreisen überlegen sich die meisten nicht erst seit diesem Jahr, welche Wege sie mit ihrem Fahrzeug zurücklegen. 

Doch auch der Urlaub ist für viele ohne eigenes Auto nicht vorstellbar. Wer sich nicht als Teil einer Pauschaltouristenlegebatterie zwei Wochen permanent am Strand aufbahren, sondern Land und Leute sowie die Dörfer erkunden will, ist auf individuelle Mobilität angewiesen. Die Touristenregionen leben auch davon. 

Womit ich beim Thema Wertschöpfung angelangt bin. Denn nur ein kleiner Teil der ökonomischen Bedeutung der Automobile liegt im Tourismus. Groß hingegen ist die Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft. Mit fast 850.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 430 Milliarden Euro ist die Automobilindustrie die Schlüsselindustrie für den deutschen Wohlstand. Unter Einbeziehung der wirtschaftlichen Verflechtungen und der Zulieferindustrie sind zwei Millionen Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Automobilindustrie abhängig. 

Dennoch ist die Branche ständigen Anfeindungen ausgesetzt. Sven Giegold, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, freute sich am 16.11.2022 auf Twitter so: Bäm! Soeben hat der Rat der EU-Mitgliedsländer das Verbrenneraus für neue PKWs zu 2035 rechtsverbindlich beschlossen.“ – Ein offizieller Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums freut sich also über die Vernichtung von Arbeitsplätzen in Deutschland. 

Dass stattdessen Elektromobilität im Straßenverkehr die individuelle Mobilität durch Verbrenner für alle Bürger garantiert, ist unter realistischen Gesichtspunkten eine Illusion. Es mangelt hierfür an allem, begonnen mit ausreichend Strom für Millionen Elektrofahrzeuge. Warum gaukelt Staatssekretär Giegold dann vor, Elektromobilität wäre eine Alternative? 

Ganz einfach, die grüne Bevormundungspolitik, will gar keine Autos. Individuelle Mobilität ist ein Todfeind des Sozialismus. Im Kollektiv ist der Einzelne besser einschätzbar, überwachbar und damit gefangen.  

Untertanen ohne Bargeld

Mit dem Stichwort „Überwachbarkeit“ will ich nun elegant die Kurve zum Thema Bargeld nehmen. Ein viel klügerer Mensch als ich hat über das Bargeld den Ausspruch geprägt, dieses sei gemünzte Freiheit. Jene Weisheit stammt aus der Feder des russischen Dichters Fjodor Dostojewski. Wie recht er hat, beweist bereits die Tatsache, dass die Politik nicht nur in Deutschland seit Jahren die digitale Staatswährung fördert und dem Bargeld feindselig gesonnen ist.  

Haben Sie mitbekommen, dass kürzlich Innenministerin Faeser eine Bargeldobergrenze von 10.000 Euro vorschlug? Als populistische Begründung für dieses Verlangen erfolgen stets die gleichen Argumente. Eine Bargeldobergrenze verhindere Schwarzarbeit, Geldschmuggel, Korruption und Kriminalität im Allgemeinen und die der sogenannten Clans im Besonderen. 

Da die Zahl der Polizisten in den letzten zehn Jahren um so schnell und hoch wie noch nie auf über 370.000 angewachsen ist, darf man doch einmal höflich anfragen, warum es bei der genannten Kriminalität nicht erheblich höhere Aufklärungsquoten gibt und weswegen trotzdem die Freiheit aller Bürger wegen Kriminellen eingeschränkt werden soll. 

Doch damit nicht genug, auch Finanzminister Lindner warb plötzlich für eine digitale Währung. In der Opposition 2016 klang Herr Lindner dagegen noch ganz anders, nämlich so: „Die Abschaffung des Bargelds verstößt gegen die Verfassung, denn sie garantiert Eigentum und Privatsphäre. Barzahler sind keine Verbrecher! Wenn Union und SPD das nicht verstehen, dann sollte der Schutz des Bargeldes im Grundgesetz verankert werden.“

Aber von der FDP sind wir ja mittlerweile fast alles gewohnt.

Entgegen der Meinung zahlreicher Politiker birgt das Verbot oder die Einschränkung von Bargeldzahlungen weit höhere Risiken als diese Nutzen bringen. Ich erinnere daran, dass sogar das Bundesamt für Katastrophenschutz derzeit temporäre Blackouts und Stromabschaltungen für Januar und Februar kommenden Jahres erwartet. Ohne Stromversorgung endet jedoch schlagartig die Digitalwährungsherrlichkeit. Logischerweise empfiehlt das Bundesamt für den zu packenden Notfallrucksack Bargeld. Aha.

Weiterhin liefert sich der Bürger ohne Bargeld den Kreditinstituten hilflos aus. Im Falle einer Krise des Finanzsystems ist er verdammt, dem Treiben der Banken zuzusehen, ohne auch nur den Versuch unternehmen zu können, sein Geld vom Konto abzuheben. Ein Traum für notleidende Banken, können sich diese an ihren Gläubigern, den Kunden, viel länger schadlos halten. Was könnte sie davon abhalten? 

Die Bürger und ihr privates Verhalten werden zudem durchschaubar wie eine hell beleuchtet Fensterscheibe im Dunklen. Denn mit jedem Kauf, mit jedem Einsatz der Bankkarte oder einer Bezahl-App, werden automatisch Zeit, Ort und Kaufobjekt mit dem eigenen Namen und der Identität verbunden. Diese Daten sind für Konsumforscher und Marketingteams sehr wertvoll und werden dazu führen, dass Konsum- und Bewegungsprofile entstehen. Der Bürger ist durch die verpflichtende Nutzung der Bankkarte verdammt, seine Daten gegenüber seinen privaten Vertragspartnern preiszugeben. 

Doch nicht nur Dritten gegenüber wird der Bürger zum vollkommenen Untertanen. Dem Staat als Währungshüter ist es beim Digitalgeld nämlich möglich, unerwünschtes Konsum- oder Sozialverhalten zu steuern und/oder zu sanktionieren. Wenn staatlicherseits beispielsweise eine Obergrenze für den Verbrauch an fossilen Brennstoffen angeordnet würde, könnte man bei Überschreitung derselben einfach nicht mehr bezahlen. Wie praktisch für den Staat. 

Honigfalle für Naive

Dass solche Dystopien keine Zukunftsmusik sind, zeigt uns das Beispiel China. Der übermächtige Staat verteilt Verhaltensnoten in Form von Sozialpunkten, ein positiver PCR-Test verhindert, dass man die eigene Wohnung betreten kann und wer gegen den Staat demonstrieren will, kommt gar nicht erst in öffentliche Verkehrsmittel. 

Darüber hinaus ist es so, dass das neue Digitalgeld auch neue Möglichkeiten für Kriminelle schafft, obwohl Bargeldverbote doch eigentlich die Kriminalität eindämmen sollen. Wer einmal eine Bank oder ein Konto gehackt hat, kann nämlich einen ungleich größeren Schaden anrichten als der kleine Dealer mit dem Scheinbündel in szenetypischer Stückelung. Bereits heute verursachen Cyberkriminelle wirtschaftliche Schäden im dreistelligen Milliardenbereich. Deren Spielwiese wird durch die Bargeldabschaffung vergrößert. 

Abschließend kommen wir zu den Experten, die eine Bargeldobergrenze bereits deswegen für gerechtfertigt halten, weil sie selbst noch nie eine derartige Summe auf einem Haufen gesehen, geschweige denn damit bar bezahlt hätten. Zunächst ist so ein egozentrisches Weltbild, das ausschließlich von der eigenen Person auf die Bedürfnisse der anderen schließt, schon ein wenig merkwürdig. 

Zum anderen erinnert es fatal an jene, die staatliche Eingriffe in bürgerliche Freiheiten stets begrüßen, denn sie haben ja schließlich als brave Bürger nichts zu verbergen. 

Freiheit stirbt immer scheibchenweise, erst sind es 10.000 EUR und dann wird die Obergrenze peu a peu abgesenkt, weil die Untertanen es ja geschluckt haben. Die Inflation tut ihr übriges und schwuppdiwupp gibt es gar keine Möglichkeit mehr, mit Bargeld zu bezahlen. 

„Ich habe nichts zu verbergen“, sagte der Naive und war nach kurzer Zeit nackt. Wir dürfen nicht naiv sein, wenn uns unsere Freiheit wichtig ist. 

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3 Kommentare. Leave new

  • Thomas Lechmann
    6. Dezember 2022 13:04

    Leider versucht man uns einzureden, dass das was Frau Dr. Brandner anspricht, völlig überbewertet und unnütz ist. Ich frage mich ob diese Leute mal mit Sack und Pack und Hund und Seniorin ins Feriendomizil, wenn wir überhaupt dazukommen, aufgebrochen ist. Leider gehören wir nicht zu der Kategorie Mitbürger der >1 Woche Urlaub hat oder bekommt. Ich hoffe, wir schaffen es über Weihnachten ins Feriendomizil in den Bergen …Möglichkeit 1 wäre Fliegen und Leihwagen oder Taxis….Möglichkeit 2 wäre Bahn und Leihwagen oder Taxis… und das Ganze wäre eine Quälerei, da wir ja Unmengen Material, Arzneimittel für die Mutter, den Hund und das Büro mitnehmen müssen.. Der nächste Punkt in unserem Fall wäre, wie kommen wir von 1850m Höhe wieder ins Tal wenn die Seniorin krank wird oder was zu besorgen ist….die Erschliessung dort ist nicht gerade traumhaft und wenn die Hochsaison der Skiunfälle ist, wartet man auf Krankenwagen etc….merkwürdigerweise wollen ausgerechnet Leute, die diese Situation nicht kennen, über den Sinn von Privatwagen diskutieren. Alternative wäre natürlich, park den Hund im Tierheim, park die Mutter im Pflegeheim…flieg in die Sonne….komm nicht mehr zurück und lass das Land in seinen Irrsinnsfantasien.

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  • Immo Sennewald
    7. Dezember 2022 10:40

    Die Argumente von Barbara Brandner sind nicht nur treffend und originell, sie sind vor allem durch Erfahrung gefestigt. Sozialismus und Planwirtschaft machen arm – leider auch allzu oft feige, gierig und dumm. Aber die politischen Witze sind Klasse.

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  • Volle Zustimmung, Frau Brandner. Mehr gibt es nicht dazu zu sagen.
    Gerade erst hat uns unser “Strom-Messstellenbetreiber” angekündigt, dass er bei uns ein intelligentes Messsystem einbauen wird. Wohlgemerkt: nicht gefragt ob, sondern ‘wird’. Nun ja, es gibt derzeit noch einiges, was uns Möglichkeiten lässt, diese hilfreiche Geste abzulehnen. Überwachung und Gängelung überall, ausgehend von unseren Minister Nr. 1 für Gängelung und Überwachung, Robert Habeck.

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