Das Problem mit der Wehrpflicht

Ich habe mir mit 19 ein Motorrad gekauft. Eine Suzuki GSX-R 1000 für alle, denen das etwas sagt. Alle anderen können sich darunter einen extrem schnellen Witwenmacher vorstellen. Alle haben mich davor gewarnt. „Du hast gerade erst deinen Motorradführerschein gemacht. Kauf dir lieber erst eine langsamere Maschine, um ein Gefühl dafür zu bekommen.“

Mein 19-jähriges Ich sah das natürlich anders. Ich war davon überzeugt, 180 PS auf 200 kg zähmen zu können. Leider war dem nicht so. An einem kalten Oktobersonntag habe ich aus einem Kreisverkehr heraus zu schnell beschleunigt, bin auf die Gegenfahrbahn gestürzt und ca. 20 Meter gerutscht. Ich sage es mal so: Wenn Gegenverkehr gekommen wäre und es 2015 schon Corona gegeben hätte, wäre ich an dem Tag als Corona-Toter in die Statistik eingegangen.

Das Motorrad hatte einen Schaden in Höhe von 2.000 Euro und ich hatte sehr lange Schmerzen im Knöchel. Ich habe es mit einem befreundeten Schrauber repariert und sofort verkauft. In einem Jahr 2.000 Euro in den Sand gesetzt. Das war für mich eine riesige Summe, für die ich wochenlang gearbeitet hatte.

Heute im Nachhinein bin ich froh darüber. Es war dumm, es war teuer und es war schmerzhaft, aber es war eine wichtige Lektion.

Teure Lektionen sollte man nicht vergessen

Trotzdem will ich nicht, dass alle anderen zu dieser wichtigen Lektion gezwungen werden. Es geht mich nichts an und ich habe kein Recht dazu. Was andere Menschen mit ihrer Lebenszeit und mit ihrem Körper machen, welche Lektionen sie lernen und welche nicht, das ist ihre Sache, nicht meine.

Damit sind wir beim Thema des heutigen Artikels, der Wehrpflicht.

Zuspruch findet eine Wiedereinführung der Wehrpflicht natürlich bei Frau Strack-Zimmermann. Aber leider ist auch die AfD dafür.

Als ich das auf Twitter kritisierte und vorschlug, Chrupalla solle gemeinsam mit Baerbock an die Front, schlug mir eine Welle von Kritik entgegen. Das ist nichts Neues. Neu ist aber, dass sie von Leuten kommt, die ansonsten meine Meinung teilen.

Auf die häufigsten Kritikpunkte möchte ich hier eingehen und argumentieren, wieso eine Wehrpflicht wesensverwandt mit der Impfpflicht ist. Die beiden Pflichten heißen unterschiedlich, aber im Kern kranken sie an der gleichen kollektivistischen Ideologie.

Die häufigsten Argumente sind diese hier:

  • „Ich war im Wehrdienst. Es war eine gute Zeit und ich bin froh, dass ich dort war.“
  • „Es täte der heutigen Jugend gut. Die sind alle woke und verzogen. Ein bisschen Dienst an der Waffe erdet die Klimakleber und Gender-Verwirrten.“
  • „Ich bin für eine starke Bundeswehr. Dafür braucht es eine Wehrpflicht.“

Dahinter verbirgt sich ein Anspruch auf das Leben anderer und damit habe ich nach den letzten Jahren ein noch größeres Problem als davor schon.

Die Gesinnung hinter der Wehrpflicht

Obige Argumente für eine Wehrpflicht habe ich zwischen 2020 und 2022 in abgeänderter Form zu Genüge von der Coronasekte gehört:

  • „Die Impfung rettet Menschenleben. Jeder sollte sich impfen lassen.“
  • „Die Kliniken sind voll mit Ungeimpften. Wieso lassen sich diese unsolidarischen Ungeimpften nicht impfen?“

Der Kern beider Ideen, der Impfpflicht und der Wehrpflicht, ist der gleiche: Mir gefällt etwas, also sollen alle anderen auch dazu gezwungen werden.

Deswegen war ich so überrascht über die Reaktionen. Erstens sieht man, wie gefährlich es ist, sich mit einer Partei zu identifizieren. Jonathan Haidt beschreibt in seinem Buch „The righteous mind“, wie Menschen ihre Meinung bilden.

Wir alle denken von uns, unsere Meinung komme dadurch zustande, dass wir uns mehrere Blickwinkel anhören und basierend auf Fakten zu einer Schlussfolgerung gelangen.

Haidt beschreibt in seinem Buch, dass das Gegenteil der Fall ist. Unser Hirn ist dem der Höhlenmenschen nicht unähnlich: Wir wollen zu einer Gruppe gehören, weil Einsamkeit damals der sichere Tod war. Wir können es uns nicht leisten, eine gänzlich andere Meinung als unsere Gruppe zu haben und dementsprechend bilden wir unsere Meinung: durch Nachahmung. Wir schauen, was unsere Gruppe denkt, eignen uns diese Meinung an, sammeln unterstützende und bekämpfen gefährliche Tatsachen.

Wenn man sich als Anhänger irgendeiner Partei identifiziert, dann neigt man dazu, alles zu glauben, was diese Partei von sich gibt. Deswegen sind Grünen-Wähler plötzlich für Waffenlieferungen, obwohl das noch bei der letzten Bundestagswahl anders war.

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Quelle 

Wenn also die AfD den Blödsinn verzapft, eine Wehrpflicht sei richtig, dann fällt es AfD-Wählern schwer, das als Blödsinn zu deklarieren. Genau den Menschen, die zu einem großen Teil die Impfpflicht mit der Begründung abgelehnt haben, es verletze ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung.

Entweder glaubt man an körperliche Selbstbestimmung. Dann ist man gegen die Impfpflicht, gegen die Wehrpflicht und gegen jede andere Art der Zwangsausübung gegen andere Menschen.

Oder man glaubt nicht bzw. nur bei Bequemlichkeit an körperliche Selbststimmung. Dann soll man sich aber nicht wundern, wenn die andere Seite an die Macht kommt und euch mit dem Gewaltmonopol am Boden hält, während ein Mann in Kittel euch ein Produkt injiziert, dessen Hersteller lieber 1,4 Milliarden Inder als potenzielle Kunden verliert als eine unabhängige Untersuchung zu erlauben.

Lauterbach ist nur ein Clown, ein Symptom. Die Lektionen aus Corona sind sehr viel größer als er:

  • Alle Institutionen sind von Menschen unterwandert, die uns hassen und unseren Tod billigend in Kauf nehmen.
  • Menschen sind Angsthasen. Egal, wie groß das Unrecht ist, das Mitmenschen angetan wird; solange sie nicht selbst betroffen sind, schauen sie weg.
  • Es muss unverletzbare Rechte geben. Rechte, die niemals, weder in einer echten noch in einer herbeigetesteten Pandemie angetastet werden dürfen. Wenn ich niemals sage, dann meine ich niemals. Zu diesen Rechten gehört das Recht am eigenen Körper.

Wir können es uns nicht leisten, sie zu vergessen, nur weil mittlerweile eine neue Psychose Hochwasser hat.

Wehrpflicht und Impfpflicht sind Varianten desselben Problems

Ich kann nicht darüber bestimmen, was mein Nachbar mit seiner Gartenschere macht. Ich kann aber darüber bestimmen, ob er meine Gartenschere benutzen darf. Weil es meine ist.

Sklaverei bedeutet, dass man Eigentum nicht nur an Gegenständen, sondern auch an Menschen haben kann. Wenn euch jemand befehlen kann, an einen Ort zu gehen und dort etwas zu tun, dann seid ihr sein Sklave. Und wenn ihr sein Sklave seid, dann darf er euch logischerweise auch zu einer mRNA-Spritze zwingen.

So wie manch einer überzeugt ist, erzwungener Wehrdienst habe Vorteile wie Charakterbildung, Disziplin und Erdung, so sind die Corona-Kultisten überzeugt, die mRNA-Spritze habe Vorteile. Das Problem damit liegt auf der Hand: Ein Staat, der mächtig genug ist, euch ein Jahr lang zu kidnappen, ist auch mächtig genug, euch zur mRNA-Spritze zu zwingen.

Politiker an die Front

Es ist egal, ob man im Wehrdienst etwas lernt, das man für löblich hält.

Es ist egal, ob Wehrdienst den Charakter stählt.

Es ist egal, ob die mRNA-Spritze vor Corona schützt.

Es ist egal, ob Masken funktionieren.

So wie eine Impfpflicht genau wie eine Vergewaltigung die Verletzung des Eigentums am eigenen Körper ist, so ist auch eine Wehrpflicht im Grunde nichts anderes als Kidnapping.

Ob Baerbock, Strack-Zimmermann oder Chrupalla dafür sind, ist mir herzlich egal. Sie sollen sich alle zum Teufel scheren. Ich habe kein Recht an ihrem Körper und sie kein Recht an meinem.

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1 Kommentar. Leave new

  • Die Gleichsetzung von Wehrpflicht und dieser mRNA-Impfpflicht kann ich nicht nachvollziehen. Zu letzterem weiss man heute, daß sie ihr versprochenes Ziel nicht nur nicht ereichen hätte können, sondern daß der Stoff sogar der Gesundheit vieler Menschen geschadet hat.

    Die allgemeine Wehrpflicht hat das Ziel, für den Fall eines militärischen Angriffs eine große Zahl von Soldaten einziehen zu können, die Grundkenntnisse als Soldaten haben, also schnell werden können. Die Ukraine hat die ersten Monate des russischen Angriffs auf Kiew dadurch überstanden, daß sie soviele Soldaten parat hatte, daß die russische Seite vor dem Kamof um die Städte zurückschreckte. Dafür könnte Deutschland nicht genügend Soldaten einziehen.

    Nun kann man der Ansicht sein, daß Deutschland nicht mit einem Bodenangriff rechnen muss oder daß unser Land generell nicht verteidigungswürdig ist. Dann benötigt man auch keine trainierte Rerserve in der Hinterhand. Die Schweiz, die ich wegen ihrer Traditionen bewundere, hat mit allgemeiner Wehpflicht UND (bis vor kurzem) einer Bewaffnung auch in Friedenszeiten gute Erfahrungen gemacht. (Daß Regierungen heute Angst vor Bürgern haben, die mit Waffen umgehen können, hat seine Gründe.)

    PS Ich bin nicht für einen militärischen Einsatz Deutscher gegen Russland, auch nicht von mehr Angriffswaffen, für die Ukraine. Ich bin für Waffenstillstndsverhandungen ohne Vorbedingungen.

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