Stadtluft macht (nicht mehr) frei

Wir Stadtplaner haben Existenzen vernichtet – bezahlt aus Steuergeldern und beauftragt im Namen von Gemeinde-, Stadt- und Regionalverwaltungen. In Zusammenarbeit mit Architekturbüros haben wir Maßnahmen entwickelt, die Bürgern, Steuerzahlern, Familienbetrieben ihre Existenzgrundlagen entziehen. 

Das darf – und kann – so nicht weitergehen! 

Aber der Reihe nach …

Die Freiheiten, die sie nicht meinen

Natürlich ist Ihnen aufgefallen, wie sich das Stadtbild im globalen Westen im letzten Jahrzehnt verändert hat; zuerst langsam, dann, seit Mitte der 10er-Jahre nach den Anschlägen in Berlin, Brüssel, Nizza, Paris und andernorts immer schneller. Manche nennen sie „Merkellegos“ – sie werden schon lange nicht mehr nur dafür benutzt, Fußgänger vor entführten Lkws zu schützen – die Betonblöcke blockieren, in verschiedenen Formen und selten auch Farben, ganze Straßenzüge oder einzelne Fahrspuren. Sie sind die Bausteine, das Bollwerk gegen den Pkw, das in Beton gegossene, physische Manifest eines psychotischen Wahns, der uns nicht mehr als freie Menschen im Stadtraum bewegen lassen will, sondern möchte, dass wir uns nur noch im für uns bestimmten Umkreis in der sogenannten 15-Minuten-Stadt, überwacht und kontrolliert, im eigenen Saft der Nachbarschaft wälzen.

Damit ist die Stadt ad-absurdum geführt. 

Die Stadt, das war eine freiwillige Zusammenkunft von Menschen, die sich vom Austausch mit anderen einen Mehrwert für ihr Leben versprachen ‒ und auch Sicherheit, Schutz und Freiheit. Werden Austausch und Schutz eingeschränkt, verliert die Stadt ihre gesellschaftliche, menschliche Bedeutung. Dass auch trotz der Betonklötze das Gefühl der Sicherheit für Leib, Leben und Eigentum nicht zu-, sondern sogar weiter abnimmt, ist dann nur noch der Sargnagel. Und die Betonklötze selbst sind ja nur ein plakatives Beispiel, nur die sichtbare Spitze des Eisbergs an Maßnahmen und Vorschriften, die die Stadt nicht mehr Stadt sein lassen.

Die schädliche Denkweise der ideologisch Verblendeten

Straßensperren, 15-Minuten-Städte, Fußgängerzonen – all das und vieles mehr entsteht nicht von alleine. Die Vorstellungen, wie dieser neue menschenfeindliche Stadtraum auszusehen hat, wie Sie Ihr Leben zu führen haben, welche in Beton gegossenen Bauwerke und welche Regularien Ihr Handeln einschränken sollen, sind ein fester Bestandteil dessen, woran viele Akteure in Politik und Medien, aber auch viele Bürger links der Mitte glauben. 

Diese Vorstellungen sind verankert in Umverteilungsprogrammen und sie sind auf allen Verwaltungs- und Regierungsebenen anzutreffen – top-down von der EU an, wodurch auch eine Homogenisierung der Stadtbilder quer durch Europa eingesetzt hat (so viel zum Thema Diversität). 

Das Denken der Ideologen findet normativ statt – wie Menschen zu leben haben –, wird in Politik und Verwaltung teilweise mit externen Beratern manifestiert und dann in Form statischer Gebilde, deren Gestaltung allzu oft an der Lebensrealität der Bevölkerung vorbeigehen, umgesetzt: unpassende öffentliche Plätze, einschränkende Verkehrsführung, Vorgaben zur Nutzung von Privatbesitz bis hin zur Enteignung – und nicht zuletzt fehlt es natürlich an einem Verständnis von Wirtschaft, selbst auf der kleinsten Ebene, wo Handel und Wandel doch jedem, der mit offenen Augen durch’s Leben geht, sofort auffallen müssten. 

Die Vorstellungen und Aussagen aus Verwaltung, Politik und von in der Stadtentwicklung tätigen Architekten sind oft hanebüchen – und leider brandgefährlich für eine freie Gesellschaft. Hier ein paar Beispiele.

Der einkalkulierte Tod eines Familienunternehmens

Eine Straße am Bahnhof. Brennpunkt der Kriminalität. Und eine Stadtverwaltung, die wissen wollte, was man tun kann, um den Verfall aufzuhalten und umzukehren. Da gab es einiges an Ressourcen, nicht zuletzt die Lage als kürzester Weg zwischen Universität und Bahnhof und die immer noch vorhandenen Geschäfte, die sich insbesondere an eine regionale Kundschaft wenden. 

So zum Beispiel auch der Schreibwarenladen, der in dritter Generation existiert. Das tut er, trotz Versandhändler auch deswegen noch, weil Betriebe aus der Gegend manchmal spontan Schreibwaren brauchen. Dann fährt jemand hin und kauft ein; man kennt sich oft seit Jahrzehnten und Generationen. 

Unsere Analysen und unser Rat als beauftragter Dienstleister wurden vom Stadtrat ignoriert – dieser entschied, dass die Straße fortan Fußgängerzone sein soll. Nur wissen wir sehr wohl: Keiner schleppt Pakete mit je 2.500 Blatt Kopierpapier zum entfernt geparkten Wagen – das Geschäftsmodell ist tot. 

Im Verlauf des Projektes gingen wir noch einmal zum Schreibwarenladen, kauften Stifte für einen Bürgerworkshop mit der Stadtverwaltung (zu dem dieser Händler nicht eingeladen war), wurden erkannt und kühl empfangen. 

Und wieder einmal gilt: Ideologie siegt über Vernunft, zumindest, wenn man keinen Wettbewerb zu fürchten braucht. Dass eine Fußgängerzone das dominierende Problem der Kriminalität nicht wird lösen können – wen interessiert’s?

„Aber so kannst Du doch nicht denken!“ 

Einmal veranlasste die Entdeckung vieler kleiner Gemüseläden den „strategischen“ Vorschlag unserer Projektpartner – eines international tätigen und renommierten Architekturbüros –, einen Stadtteil als den „gesunden, nahrhaften, ernährenden Bezirk” zu deklarieren, so dass die kleinen Läden auch von Käufern aus anderen Stadtteilen profitieren sollten. – Ich hatte so einige Einwände. Unter anderem, dass, wenn man sich informiert, diese Läden weder die günstigsten Preise haben noch das angebotene Obst und Gemüse besonders gesund oder nachhaltig ist – zumeist handelt es sich um Großmarktware, die in Spanien unter fragwürdigen Bedingungen angebaut und geerntet wird; also nicht gerade regional und bio, wie es in der Vorstellung unseres Projektpartners wohl der Fall war. 

Und dann fragte ich noch, rhetorisch, was denn wohl mit den Preisen passiert, wenn man die Nachfrage künstlich erhöht. Die Antwort kam sehr umgehend, bestimmt und überzeugt: „Christian, so kannst Du doch nicht denken!“ 

Ich sagte: Doch, kann ich. Die Preise werden für die Bevölkerung steigen. – Genützt hat es aber nichts, der Vorschlag wurde von Politik und Verwaltung erfreut angenommen. Im besten Falle bleibt er in der Schubladen. Gekostet hat er aber auch so schon Zeit und Geld und vor allen Dingen hat er alternative, bessere Optionen verhindert, die nun nicht vorliegen.

Plätze für Kriminelle

Zu den Vorstellungen, wie die Stadt auszusehen hat, gehört momentan auch, dass an jeder Ecke ein möglichst begrüntes Plätzchen hergestellt werden muss – was Ihnen bestimmt schon aufgefallen ist. Wie für vieles, muss der Umweltschutz auch hier als Begründung herhalten, denn begrünte Plätze bedeuten meist, dass Wasser im Boden versickern kann, dass Bäume Schatten spenden – und nicht zuletzt auch, dass Parkplätze beseitigt werden können. 

So also auch in einem Projekt für einen von mono-ethnischer Immigration geprägten Stadtteil – wovon es ja zunehmend mehr gibt in Westeuropa: Die Architekten suchten sich jedes mögliche Eckchen aus, in dem ein Mini-Park entstehen könnte, oft nur so groß, wie es die Verengung eines Straßendreiecks zuließ. Auch hier wieder: so scheint es an den Universitäten gelehrt zu werden und für solche Projekte gibt es umverteiltes Steuergeld; die Denkweise ist normativ, ideologisch, statisch – und gefährlich. Denn unsere Gespräche mit Bürgern, Sicherheitsorganen und lokalen Organisationen ergaben: Jeder Platz, der in diesem Stadtviertel neu geschaffen wird, wird sofort von jungen Männern okkupiert, stellt für die anderen, insbesondere weiblichen Bewohner sodann einen Ort dar, der zu umgehen ist – und wird fast immer für den Handel und/oder Konsum von Rauschmitteln benutzt. 

Lehrbuchmeinung, Ideologie und Fördermittel sind in diesem Umfeld allerdings stärker als Wahrheiten. Und wieder geht es weiter und schneller dem Untergang unserer Städte zu.

Abbildung: Ich weiss nicht, warum man sich so etwas ausdenkt. Es ist jedenfalls kein Platz für Menschen, sondern für Kaninchen und Ratten. Es beschränkt ganz offensichtlich die Freiheit, dort entlang zu gehen, wo man will und den Stadtraum zu nutzen, wie es sich ergibt: zum Plausch, für ein Straßencafé, für ein Konzert. (Foto des Autors aus Brüssel, 2021).

Abbildung: Was mit Plätzen, die der regulären (zwischen-)menschlichen Nutzung zwangsweise entzogen werden, passiert, lässt sich beispielsweise hier beobachten: verschmutzt, verdreckt und maximal als Wohnort für Obdachlose genutzt. (Foto des Autors aus Brüssel, 2021).

Fahrrad, Fahrrad über alles!

Eine deutsche Großstadt und ein Workshop zur Zukunft der Stadt mit Jugendlichen: Professionell moderiert und durch einen Illustrator begleitet, der die Visionen der Teilnehmer auf großen Blättern im Aquarell festhielt. 

Die Jugendlichen kreisten sehr bald um die „pain points“ der modernen Stadt. So wurden zum Thema Mobilität mehrere Illustrationen angefertigt. Einen starken Rückhalt erlebte in einer Gruppe die Idee von fliegenden Kapseln – eine Zukunftsvision des Individualverkehrs. Autonom fliegend und mit Internet an Bord sollte man diese Ein-Personen-Kapseln bei Bedarf so miteinander verbinden können, dass man mit seinen Freunden zusammen unterwegs sein kann – individuell und doch sozial, aber eben selbstbestimmt. Eine andere Gruppe brachte eine Fahrradautobahn, überdacht mit Solarzellen, zu Papier. Sie dürfen nur einmal raten, welche Illustration publiziert wurde und welche nicht. 

Und wieder wurde, aus ideologischer Überzeugung, top-down, selektiert und die Freiheit, sich auch in Zukunft individuell und nach eigenem Wunsch zügig in (oder über) der Stadt zu bewegen, gecancelt; Beteiligung als Farce. Zukunft darf nur stattfinden, wenn es „die richtige“ ist – jedenfalls so lange, wie wir Bürger es zulassen, dass steuerfinanzierte Besserwisser tief in unsere Leben hineinregieren.

Enteignung als probates Mittel der Stadtplanung

Mit erschreckender Häufigkeit sind es insbesondere Architekten, die das Mittel der Enteignung von Immobilienbesitz vorschlagen. Irgendein aus ihrer Sicht ganz wichtiges Ziel des „Großen Ganzen“ rechtfertigt immer wieder den Wunsch nach Eingriff in Eigentumsrechte. Mehr Sozialwohnungen? Ein Showroom für umweltfreundliche Renovierung? Ein Sozialtreff? Hat die Stadt keine geeignete Immobilie am Platz, so könnte ja eine enteignet werden – glücklicherweise steht geltendes Recht den feuchtwarmen Träumen der Möchtegern-Gesellschaftsarchitekten meist (noch) im Wege. 

Ein häufig angewandtes Mittel der Stadtplanung ist daher „Enteignung light“: die Änderung der Nutzungsmöglichkeiten bzw. Vorschriften für die Auslegung von privatem Immobilieneigentum hinsichtlich Anzahl der Räume, Zimmergröße, Verbot (bestimmter) kommerzieller Nutzung, Limitierung von Pkw-Stellplätzen, Anforderungen an die Einrichtung eines Fahrradkellers usw. Wie stark dieses Bestreben zum Eingriff in die Privatsphäre und Entscheidungsfreiheit anderer Leute Grund und Boden, diese Mikro-Management der Gesellschaft, in den Köpfen des politischen Personals institutionalisiert ist, zeigten ja zuletzt auch zwei prominente grüne Vertreter ihrer Zunft: die eine wollte einer nigerianischen Dorfgemeinschaft erzählen, wo die Toiletten zu platzieren sind, der andere den Immobilienbesitzern Deutschlands, welche Heiztechnik sie zu nutzen haben.

Stadt menschlich denken

Menschen in ihren Freiheiten einschränken, vielleicht sogar Existenzen vernichten, immerhin jedoch für Steuergeld jede Menge Blödsinn zu Papier bringen – wieso bleiben diese Routinen am Leben? Wer will so etwas tun? – Immerhin eine genügend große Anzahl Menschen. 

Die Denkweisen und Prozesse sind institutionalisiert und werden von den betreffenden Akteuren nicht ausreichend hinterfragt und reflektiert, wie die Beispiele oben veranschaulichen. Und wieso sollten diese Akteure ihr Handeln auch hinterfragen, manifestiert es doch ihre Macht über andere und liefert gleichzeitig Genugtuung mittels der wahrgenommenen eigenen Güte und Weisheit; eine Abkehr von diesen Handlungsmustern würde dementsprechend eine Erosion der Macht und damit auch der eigenen Wichtigkeit, schließlich der Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz bedeuten. 

Zudem erfahren die Beteiligten in der Gruppe Gleichdenkender Bestärkung. In der Ausbildung zum Architekten (und Stadtplaner) fehlt es vermutlich auch an Wissen über die andere Seite menschlicher Motivation: freiwilliges statt erzwungenes Miteinander, Vertrauen statt Machtausübung. 

So liegt dem Weltbild des (Stadt-)Planers ein Typus Mensch zugrunde, der an sich nicht fähig ist, Gutes für sich und andere zu tun, und daher bevormundet werden muss (von anderen Menschen, die diese Fähigkeit dann komischerweise haben – ein Widerspruch, natürlich). Insgesamt werden die Routinen also von einem Menschenbild bestimmt, das dem freiheitlichen diametral entgegengesetzt ist.

Als Ergebnis bekommen wir das, was wir nicht wollen: unfreie Orte, die keine Städte mehr, sondern eine Aneinanderreihung von funktional eingeschränkten und gelähmten Quartieren sind; Stadtluft macht nicht mehr frei, sondern unfrei. Zunehmend müssen diejenigen Bürger, die Leistung bringen und dazu Freiheit zum Austausch mit anderen Menschen brauchen, solche Orte verlassen. Ihnen bringen diese Orte keine Vorteile mehr, dafür um so mehr Risiken.

Leben ist Handeln

Dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, damit sich wieder mehr Freiheit in unseren Städten entwickeln kann – selbst im bestehenden System und auch, wenn dadurch Macht, Wichtigkeit und Sinnhaftigkeit der Existenz derzeitiger Akteure langsam, aber sicher, erodiert werden. 

Drei Sichtweisen könnten beispielsweise helfen, dass Wege frei gemacht werden für freiwilliges, nicht in politisch bestimmten Bahnen gelenktes menschliches Handeln, auf dass Menschen sich entfalten können, anstatt sie durch Vorschriften und Betonklötze zu behindern:

  1. Ein Blick auf die Dynamik menschlichen (Zusammen-)Lebens und die Nutzung der Stadt: die Stadt als dynamisches Gebilde, das durch das Handeln, den Austausch von Menschen bestimmt und dadurch, autopoietisch, am Leben erhalten wird – anstatt, wie leider üblich, in statischen, gebauten Artefakten, Plätzen und Räumen gedacht zu werden (die sich praktischerweise visuell gut darstellen, sich bestimmen, berechnen und bauen lassen). Man muss nicht Mises gelesen haben, um intuitiv zu verstehen, worum es geht: das nicht-autistische Handeln, den Austausch, das Miteinander – also Kommunikation im weitesten Sinne und die braucht nun mal Freiheit.
  2. Ein Blick auf die Motivation dieses menschlichen Handelns: Wie handeln die Menschen und warum – und was steht ihnen im Wege, physisch und regulatorisch? Die Sichtweise erfordert Empathie für die unterschiedlichsten Bewohner und Nutzer der Stadt und ist dem üblicherweise praktizierten Vorgehen entgegengesetzt, das versucht zu bestimmen, wie Menschen zu handeln haben – wobei das „Warum“ irgendein austauschbares „höheres Ziel“, das berüchtigte „Gemeinwohl“, die Umwelt o.ä. ist. Diese Sicht muss lokal immer wieder neu eingenommen werden, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen, denn menschliches Handeln unterscheidet sich nach Ort und Zeit – was natürlich alles viel komplizierter macht als etwa Städten europaweit ein und denselben normativen Ansatz überzustülpen.
  3. Ein Blick auf die optimale Nutzung der Ressourcen der Stadt, menschliche und andere. Warum wird Pendlern Lebenszeit genommen, weil sie auf absichtlich verengten Verkehrswegen im Stau stehen? Warum dürfen Unternehmer die oberen Etagen eines Gebäudes nicht für die Entwicklung ihres Gewerbes nutzen? Warum muss der Park nachts abgeschlossen werden und ungenutzt bleiben? Auch Menschen mit verwaltungstechnischem Hintergrund könnten diese Sichtweise vermutlich einnehmen, indem sie ganz trocken verschiedene Teile der Stadt als „Assets“ betrachten, die es optimal auszulasten, zu nutzen gilt. Wie wird ein Platz am besten genutzt, wie bringe ich Menschen dahin? Warum beschränke ich die Nutzung von Grund, Boden und Luft?

Die Städte sind nicht verloren

Die Zahl der Städte liegt weltweit bei etwa 10.000 und etwa ebenso groß ist die Zahl der Gemeinden allein in Deutschland – das Potenzial, neue Ansätze auszuprobieren, die bestehenden Paradigmen zu durchbrechen, ist groß. Es reicht, wenn zunächst nur wenige einen neuen Weg gehen wollen; es reicht, wenn diese als prosperierende Beispiele bekannt werden: Dann kann eine Kombination aus Eigeninteressen – z.B. die eigene Stadt als leuchtendes Vorbild, temporärer bzw. teilweiser Machterhalt – und externen Zwängen zu einer kritischen Masse und schließlich zu einer breiten Befreiung der Städte aus den Klauen der Bürokratie und Bevormundung führen; Stadt kann wieder Stadt sein. 

Zu den externen Zwängen, die der Transformation in die Hände spielen, gehören mit Blick auf zumindest (West-)Europa bereits heute:

  1. Zunehmende finanzielle Einschränkungen, so dass die Bürokratie weniger verbrauchen und umverteilen kann. Der Hauptgrund im Westen ist dafür der demographische Wandel, d.h. die Verrentung der Boomer-Generation und die Einwanderung in die Sozialsysteme.
  2. Daraus resultierend Unzufriedenheit in der Bevölkerung, die bei Wahlen und Demonstrationen Ausdruck findet. Hauptgrund ist – neben Bürokratie und Abgaben – eine Überforderung des öffentlichen Sektors, d.h., bisher öffentliche Dienstleistungen aus den Bereichen Sicherheit, Sauberkeit, Bildung usw. degradieren weiter.
  3. Schließlich, als Folge bzw. in Antizipation insbesondere des zweiten Punktes, die Abwanderung von Leistungsträgern aus den zunehmend verwahrlosten Städten.

Nicht jede Stadt wird diesen Prozess der Verwahrlosung durchlaufen müssen, manche werden verschont bleiben, andere dem Verfall zuvorkommen, indem sie rechtzeitig umdenken: den Stadtraum neu denken, Freiheiten gewähren, Bürokratie und andere Hindernisse abbauen, Lebendigkeit zulassen.

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6 Kommentare. Leave new

  • Herbert von Hubertshausen
    21. März 2024 11:19

    Lustig, ich sehe keine einzige Idee in diesem Beitrag, wie Städte menschenfreundlicher gemacht werden könnten. Und bloß nichts gegen Autos oder Straßen machen! Wenn der Schreibwarenladen seine Leute so gut kennt, warum liefert er seinen Kundinnen und Kunden nichts, z.B. mit einem Lastenrad? Damit darf er auch in die Fußgängerzone. Fliegende Kapseln für Individualverkehr? Melden Sie sich wieder, wenn die im Preis etwas gesunken sind… Dass Menschen wie Sie sich nicht vorstellen können, dass es Menschen gibt, die sehr wohl die 15-Minuten-Stadt, die Schwammstadt und die möglichst autofreie Stadt haben wollen, ist leider offensichtlich – die gibt es aber, und zwar in großer Zahl. Inwiefern Betonwüsten dagegen “menschlich gedacht” sind, erschließt sich mir nicht.

    Naja, vielleicht finden Sie ja eine Stadt, in der Sie ihre Ideen durchsetzen können, ich wünsche viel Erfolg….

    Antworten
    • Ralf Schmidt
      21. März 2024 19:23

      Lastenräder sind die ineffizienteste Transportlösung, die es gibt, daher eher in Drittländern zu finden (oder auch in solchen, die sich dahingehend entwickeln). Kraftfahrzeuge mi Verbrennungsmotoren haben die höchste Effizienz. (Physik). Einige träumen sicher von anderen Möglichkeiten, denen stehen allerdings die Naturgesetze im Weg. Menschliche Städte orientieren sich an den menschlichen Bedürfnissen, die sehr unterschiedlich sein können, wenn man sie lässt. Das gilt sicherlich auch für Sie (dann aber nebenher den anderen).
      Gute Ideen muss man nicht durchsetzen.

      Antworten
      • Herbert von Hubertshausen
        23. März 2024 10:36

        Schauen Sie sich das Video mal an zu Lastenrädern:
        https://youtu.be/R63DdEe_8aM?si=C2d7_g8cplbyy5Is

        Und das zur “Effizienz” von Verbrennern:
        https://www.bmuv.de/themen/verkehr/elektromobilitaet/effizienz-und-kosten

        Erster Absatz: “Der Wirkungsgrad eines Benzinmotors liegt bei üblicher Fahrweise nur bei gut 20 Prozent. Mehr als drei Viertel der im Kraftstoff enthaltenen Energie werden also gar nicht fürs Fahren verwendet.”

        Falls Sie andere Informationen haben, gerne her damit.

        Antworten
      • C. Günther
        31. März 2024 12:17

        Das Lastenrad scheint ja eine hervorragende Idee zu sein. Ich denke, es werden sich Städte entwickeln, wo keine anderen Fahrzeuge mehr fahren dürfen. Das können dann die intelligenten Städte sein. Und freie Städte, wo jeder selbst entscheiden kann. Mögen jeder Bewohner dort selber entscheiden, was er nutzen.
        PS.: Können Sie mir denn als Lastenradfan eine vertrauenswürdige Umzusgfirma empfehlen, die nur Lastenräder nutzt? Das wäre nett;-). Und die brauchen ja auch kein Geld für Diesel. Und auch keine Maut. Die Fahrtstrecke wäre ca. 70km im Mittelgebirge.

        Antworten
        • Herbert von Hubertshausen
          8. April 2024 11:41

          Sie haben offensichtlich kein Interesse an einer ernsthaften Debatte. Weder wird es solche Städte geben, noch ging es hier im Artikel um Umzüge zwischen Städten. Schönen Tag noch!

          Antworten
  • C. Günther
    31. März 2024 12:17

    Das Lastenrad scheint ja eine hervorragende Idee zu sein. Ich denke, es werden sich Städte entwickeln, wo keine anderen Fahrzeuge mehr fahren dürfen. Das können dann die intelligenten Städte sein. Und freie Städte, wo jeder selbst entscheiden kann. Mögen jeder Bewohner dort selber entscheiden, was er nutzen.
    PS.: Können Sie mir denn als Lastenradfan eine vertrauenswürdige Umzusgfirma empfehlen, die nur Lastenräder nutzt? Das wäre nett;-). Und die brauchen ja auch kein Geld für Diesel. Und auch keine Maut. Die Fahrtstrecke wäre ca. 70km im Mittelgebirge.

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