Wie viel Treibhausgase emittiert Rindfleischproduktion tatsächlich?
Freie Fakten #09
Bisweilen können Sie Aussagen hören, wie zum Beispiel, Fleischproduktion sei für 51 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das maßgebliche Problem dabei: Viele dieser Berichte verwenden Doppelstandards, wenn sie die Treibhausgasemissionen ermitteln.
Was also stimmt? Ist Rindfleisch wirklich maßgeblich für die angebliche Erhitzung der Atmosphäre verantwortlich?

Methodologisch zweifelhafte Studien
In Bezug auf die tierische Landwirtschaft werden sogenannte Lebenszyklus-Analysen durchgeführt – dabei wird jede Treibhausgasemission von der Geburt des Tieres, über das Futter, bis zur Schlachtung einkalkuliert. Bei Fahrzeugen hingegen wird nur der Treibstoffverbrauch bei Inbetriebnahme einberechnet. Die Produktion der Fahrzeuge wird vollkommen ausgeklammert.
Dass mit dem gängigen Narrativ etwas nicht stimmt, zeigt auch die Tatsache, dass der internationale Rinderbestand weder mit dem Ausmaß an Kohlenstoffdioxidemissionen noch beispielsweise Methangasemissionen korreliert. Zum Beispiel ist China mit großem Abstand der größte Treibhausgasemittent. In China befanden sich aber 2020 nur 6,1 Prozent der Rinder weltweit, ungefähr 61 Millionen. In Brasilien gibt es 214 Millionen Rinder, dennoch ist beispielsweise der Kohlenstoffdioxidausstoß Brasiliens nur ein Bruchteil von demjenigen Chinas. Der Rinderbestand der USA sinkt, zugleich steigen Kohlenstoffdioxid- und Methanausstoß.
Methan wird übrigens im Rahmen des Methankreislaufs zwischen Atmosphäre, Hydrosphäre (Ozeane, Seen, Flüsse) und Lithosphäre (Erdkruste) nach ungefähr zehn Jahren in der Atmosphäre in Kohlenstoffdioxid umgewandelt.
Der Anteil an den Treibhausgasemissionen
Fallbeispiel USA: Laut der staatlichen United States Environmental Protection Agency machte die gesamte Landwirtschaft, pflanzlich wie tierisch, in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 2022 insgesamt zehn Prozent der menschlichen Treibhausgasemissionen aus. Transport machte 27 Prozent aus, die Industrie 24 Prozent, Elektrizität 25 Prozent, der private und kommerzielle Sektor 13 Prozent. Die Realität ist also genau das Gegenteil von dem, was weiträumig behauptet wird.
Laut einer Studie des Jahres 2017 würde eine vollständige Umstellung auf pflanzliche Landwirtschaft zwar mehr Nahrung in Kilogramm erzeugen, jedoch weniger essenzielle Nährstoffe liefern. Die Treibhausgasemissionen der USA würden lediglich um 2,6 Prozent sinken. Laut einer Studie des Jahres 2012 würde eine isokalorische Ernährungsweise (es werden also gleichermaßen viele Kalorien verzehrt), in der Fleisch vollständig durch Obst und Gemüse ersetzt wird, die Treibhausgasemissionen in Frankreich sogar gegebenenfalls erhöhen.
Vollkommen unbeachtet bleiben in der öffentlichen Debatte die produzierten Nährstoffe. Eine Berechnung in Kilogramm Nahrung ergibt keinen Sinn, weil sich Lebensmittel in ihrem Nährstoffgehalt unterscheiden. Wenn man die produzierten Nährstoffe in ein Verhältnis zu Treibhausgasemissionen setzt, emittiert pflanzliche Nahrungsmittelproduktion nicht weniger Treibhausgase. Besonders gering ist der Treibhausgasausstoß übrigens bei der Produktion von Industriezucker. Gleichermaßen nährstoffarm ist er aber auch.
Irreführende Vergleiche
Was noch hinzu kommt: Der Großteil der Vergleiche ist irreführend. Denn ein Rind ist Teil des sogenannten Kohlenstoffzyklus. Es frisst Gras, in das Kohlenstoffdioxid gebunden ist und setzt gebundene Gase durch Flatulenzen frei. Zugleich erhöht sie durch das Weiden, Defäkieren und Urinieren aber auch die Bodenfruchtbarkeit.
Bodenfruchtbarkeit ist insbesondere durch Humus bedingt. Humus bindet wiederum Kohlenstoffdioxid im Erdboden. Auch die Wurzeln von Pflanzen wie mehrjährige Gräser und Gehölze binden Kohlenstoff im Boden. Weidehaltung ist damit sogar eine Kohlenstoffsenke, kein Emittent.
Und von vornherein entstehen die Treibhausgase bei Weidehaltung nicht aus dem Nichts, sondern waren bereits zuvor Teil der Atmosphäre.
Gänzlich anders ist es in der Industrie. Dort werden fossile Brennstoffe aus dem Erdboden extrahiert und zusätzlich in die Atmosphäre emittiert, wodurch sich der absolute Treibhausgasanteil in der Atmosphäre erhöht.
Fazit
Gängige Narrative in Bezug auf die von Fleischproduktion verursachten Treibhausgasemissionen sind irreführend und vielleicht sogar gezielt manipulativ. Sie widersprechen offiziellen Daten und unterschlagen Nuancen wie beispielsweise das Ausmaß an produzierten Nährstoffen, den Kohlenstoffzyklus und das Potenzial von Weidehaltung als Treibhausgassenke.
Es gibt keine plausiblen Belege dafür, dass tierische Landwirtschaft und insbesondere Rinderhaltung in irgendeinem nennenswerten Ausmaß zu den Treibhausgasbeständen in der Atmosphäre beiträgt. Und es gibt auch keine Anhaltspunkte dafür, dass eine gänzliche Umstellung auf pflanzliche Landwirtschaft Treibhausgasemissionen senken würde, wenn methodisch für den Kalorien- und Nährstoffbedarf kontrolliert wird.
Abschließend: Das ist kein Plädoyer für Massentierhaltung. Diese lässt sich aus mehreren anderen Gründen zurecht kritisieren. Aber es ist ein Plädoyer für Weidehaltung. Und ein Plädoyer für eine nuancierte sowie intellektuell ehrliche Auseinandersetzung mit diesen Themen.



