Wasserstoff? – Ist aus!
Wasserstoff will keiner haben – schon wieder! Dabei ist der Wasserstoff doch das ersehnte Wundermittel der Energiewendehälse. Nicht umsonst hat Hubert Aiwanger, der Staatsminister für Wirtschaft in Bayern, Wasserstoff als den „Champagner der Energiewende“ bezeichnet, der „Focus“ berichtete darüber …

Nun, man kann in Champagner tatsächlich baden, man muss es sich nur leisten können, und das macht wohl einen Teil des Problems aus. Denn die Kosten sind am Ende dann doch so hoch, dass die Projekte nicht wirklich gelingen.
Das war schon 2004 so, damals auf der Insel Utsira. Das ist die kleinste Insel von Norwegen, und Enercon, die bekannte Firma für Windmühlen aus Niedersachsen, hatte dort ein Projekt gestartet, um immerhin zehn Haushalte komplett mit grünem Strom zu versorgen. Zehn!
Der Wasserstoff wurde dabei als Speichermedium verwendet, um die Lücken der Versorgung auszugleichen, wenn der Wind nur so weht wie er will und nicht wie er soll. Die Anlagen mussten dann aber schon nach zwei Jahren wieder komplett abgebaut werden, denn die Kosten waren aus dem Ruder gelaufen, und technische Probleme gab es auch noch, denn der Wasserstoff ist eben doch nicht so friedlich und geduldig, wie man sich das vorgestellt hatte. Der Deutschlandfunk berichtete darüber: „Im Alltag auf Utsira merkt man heute nicht mehr viel davon, dass die Insel einst Vorzeige-Standort der Energiewende in Norwegen war.“
Und was ist also neuerdings geschehen? – „Das Münsterland verliert seine einzige Wasserstoff-Tankstelle.“ Darüber berichtete jetzt der WDR. Die Westfalen AG hatte den Standort in Münster-Amelsbüren zehn Jahre lang betrieben, aber nie ausreichend Kundschaft erreicht. Da das Geschäft dauernd im Minus-Bereich verblieb, musste man nun aufgeben. Wie berichtet, tankten zuletzt nur noch eine Handvoll Privatkunden regelmäßig in Münster. Bei den Lkw -Fahrern sei der Zuspruch noch geringer gewesen. In Deutschland fahren derzeit etwa 250 Lastwagen mit Wasserstoff, im Pkw-Bereicht gibt es immerhin 1.800 Wasserstoff-Autos.
Im Münsterland muss man sich jetzt nach einer Tankstelle in weiter Entfernung umsehen, oder man muss dann doch lieber auf ein richtiges Auto umsteigen, also eines mit Benzin oder Diesel – die werden dort noch gut versorgt.




1 Kommentar. Leave new
Um etwa 1996 hatte ich bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung die Probleme mit Wasserstoff benannt, die sich seither nicht geändert haben: Kosten, technische Schwierigkeiten bei der Massenanwendung mit Laien.
Damals hatte Mercedes gerade für Fahrzeuge mit Brennstoffzelle und H2 einen in Kürze kommenden grandiosen Erfolg angekündigt. Es war mE ein Herr Panik von der Firma. Daß der ganz begeistert war in sein Themenfeld, daß er die Ökonomie aus dem Augen verlor, hat mich damals befremdet.
Die Politiker (der SPD, Politologen, Soziologen etc) hatten mir als Dr.-Ing. dann vorgeworfen, technikfeindlich zu sein. Die SPD folgte gerne Wunschträumen und lässt sich ungern wecken.