Wem nützt es?

Es ist eine jener Fragen, die zu stellen den kritisch denkenden Menschen auszeichnet, jenen Menschen also, der sich nicht sogleich mit dem Augenschein zufrieden gibt, sondern nach den tieferliegenden, verdeckten Ursachen sucht. Die Frage ist so alt, dass sie bereits den Römern geläufig war, und sicherlich nicht erst den Römern, doch ist sie uns gerade in ihrer lateinischen Fassung durch Cicero überliefert: Cui bono? – Wem nützt es? Wer zieht einen Vorteil daraus, dass die Dinge so laufen, wie sie laufen? Wer profitierte davon, dass es so kam, wie es kam?

Die naheliegendste Frage

Es ist die Frage, die jeder Verschwörungstheoretiker stellt, die aber auch jeder Kriminalist, jeder Historiker und jeder Journalist stellen muss. „Muss“ hierbei allerdings nicht in dem einfachen Sinne einer zu befolgenden Norm oder Regel, wie etwa: „Wer einen Kuchen backen will, muss den Ofen einschalten“. Das „muss“ ist hier vielmehr im Sinne einer Wesensbestimmung gemeint: Denn wer das Cui bono, diese Leitfrage und Leitfaden des tieferen Eindringens in kriminologische, historische, politische und andere soziale Vorgänge nicht beherrscht und nicht stellt, der ist schlechterdings kein Kriminalist, Historiker oder Journalist im eigentlichen Wortsinne. Er ist dann allenfalls Stümper, Hof- oder Systemschreiberling. 

Damit soll nicht gesagt sein, dass das Cui bono schon per se und immer erkenntnisträchtig wäre und jeden Fall sofort klärte. Das ist mitnichten so, denn es handelt sich dabei zunächst einmal um nicht mehr als ein heuristisches Mittel neben anderen. Die Frage nach dem Nutzenzieher eröffnet eine Perspektive und gibt dem Suchen eine Richtung, denn: Wem aus einem bestimmten Vorgang ein besonderer Vorteil erwächst, der könnte auch als Verantwortlicher hinter dem Vorgang stecken. Und umgekehrt und stärker noch: Wer für ein Geschehen, eine Tat, einen Vorgang verantwortlich ist, der wird höchstwahrscheinlich auch einen vergleichsweise großen Nutzen daraus zu ziehen haben.

Wer will es und wer kann es?

Sicherlich aber ist das Cui bono kein Shortcut zur Wahrheit. Denn zum einen profitieren von einem Ereignis oder Sachverhalt doch immer mehrere und selten dürften alle von ihnen auch ihre Finger im Spiel haben: Der Nachbar hat seine Frau umgebracht? Sie ging mir mit ihrem Staubsauger seit Jahren auf die Nerven – wohl kaum ein Grund zum Mord. Das Warenlager meines unternehmerischen Konkurrenten ging in Flammen auf? Nun kommen seine Kunden zu mir – nicht mehr als ein für mich glücklicher Zufall.

Zu der Frage, wer ein Interesse daran haben könnte, dass etwas geschehe, gehört daher immer auch die von unseriösen Verschwörungstheoretikern leicht übersehene Frage, wer überhaupt in der Lage dazu wäre, es zu bewirken. Der Kleinunternehmer, der in seinem ebay-Webshop Camping-Gaskocher verkauft, wird von der Zerstörung der Nordstream-Pipeline profitiert haben – der Verantwortliche dafür dürfte er gleichwohl nicht sein. Den Schweizern wiederum wird man (obwohl sie über keine Marine verfügen) zwar die Kompetenz zu so etwas zuschreiben, nicht aber die erforderliche Niedertracht. (Bezeichnend genug übrigens, dass viele Deutsche ihrer eigenen Regierung dergleichen durchaus zutrauen – jedenfalls im Sinne der Zuschreibung von Niedertracht, denn ernsthaft zu bezweifeln ist hier wiederum die Kompetenz.)

Schwurblerprofiteure

Und nicht zuletzt steht eben auch gar nicht hinter jedem Vorgang ein handelndes und die Fäden ziehendes Subjekt. Im Bereich des Sozialen können sich, genau wie in der Natur auch, durch eine Art von Selbstorganisation Dinge ereignen und Strukturen herausbilden, ohne dass ein verantwortlicher menschlicher Akteur dies veranlasst hätte. Auch dies wird von einfach gestrickten Verschwörungstheoretikern in der Regel nicht begriffen. Der Mensch tendiert dazu, hinter allem einen Willen zu suchen und zu sehen. Schon die einfache Tatsache, dass Kriege ausbrechen können, obwohl sie von keinem der Beteiligten gewollt waren, übersteigt die intellektuellen Fähigkeiten vieler.

Dabei soll die obige Rede von „unseriösen“ und „einfach gestrickten“ Verschwörungstheoretikern auch betonen, dass Verschwörungstheorien durchaus auch auf seriöse Weise betrieben werden können. Über eben diese Tatsache wird ja in neuerer Zeit unablässig versucht, hinwegzutäuschen. So wurden etwa in auffällig kurzer Zeit im systemmedialen Sprachgebrauch „Verschwörungstheorie“ fast durchgängig durch Ausdrücke wie „Verschwörungsglaube“, „Verschwörungsnarrative“, „Verschwörungsideologie/Verschwörungsideologe“ usw. ersetzt, und diese Bezeichnungen finden inflationären Gebrauch in ausnahmslos pejorativer Absicht. Sie entstammen insofern dem selben Giftschrank wie „Rechter“, „Rechtsextremist“, „Querdenker“, „Aluhut“ und „Antisemit“.

Bei diskurspolitischen Vorgängen dieser Art (man denke etwa auch an die Ersetzung des Flüchtlings durch den „Geflüchteten“) fällt es schwer, keine Absicht dahinter zu vermuten. Diese dürfte hier darin liegen, jeglichen verschwörungstheoretischen Analysen und jedem, der mit Blick auf politische Ereignisse noch die Frage „Cui bono?“ stellt, das Etikett der Irrationalität und der abgedrehten Spinnerei anzuheften. Man kann also kaum anders, als zu fragen: Wer hat eigentlich ein Interesse daran, dass „Verschwörungstheorie“ und „Verschwörungstheoretiker“ als unseriöse Spinnerei gelten?

Außenblick

Nun ist zu beobachten, dass ausländische Medien mit Blick auf die Vorgänge in Deutschland regelmäßig eben jene „Cui bono?“-Frage stellen, während sie gerade in den deutschen Systemmedien praktisch nie aufgeworfen wird:

  • Wem nützt es, dass die Frage, wer die Nordstream-Pipeline zerstört hat, in der Öffentlichkeit nicht gestellt wird und die Bundesrepublik dieser Frage nicht nachzugehen scheint? 
  • Wem nützt es, dass keine ernsthaften Anstrengungen unternommen werden, die Frage nach den Ursachen der seit 2021 zu beobachtenden Übersterblichkeit in Deutschland zu klären?  
  • Wem nützt es, dass die deutsche Bundesregierung ein Deindustrialisierungsprogramm im großen Stil vollzieht? 
  • Wem nützt es, dass die deutsche Bundesregierung die illegale Masseneinwanderung trotz der ihr zur Verfügung stehenden Mittel und Möglichkeiten nicht stoppt?

Abbildung: Ungarische Zeitung: „Wem nützt das Framing der AfD als Nazis?“

Wem nützt es, nicht zu fragen, wem es nützt?

Jeder zukünftige Historiker und jeder kritisch denkende und sich eigenständig informierende Mensch von heute wird ohne Weiteres erkennen, dass hier etwas nicht stimmt. Denn beide verfügen per Definition über den Blick über den systemmedialen Tellerrand der Bundesrepublik hinaus, der sie das Muster sofort wird sehen lassen: Wem nützt in all jenen Fällen dasjenige, was ganz offensichtlich Deutschland und den Deutschen nicht nur nicht nützt, sondern ihnen sogar massiv schadet?

Und so gesellt sich zu jener immer länger werdenden Reihe der oben genannten Cui-bono-Fragen eine hinzu, die durch ihre Höherstufigkeit besonders ausgezeichnet ist: Wem nützt es eigentlich, dass die deutschen Systemmedien diese Fragen nahezu durchgängig vermeiden? Wer profitiert davon – sei es machtpolitisch, volkswirtschaftlich oder auch nur individuell – dass diese naheliegendsten aller Fragen in der Öffentlichkeit kein Gehör finden? Und wer ist in der Position, dafür zu sorgen, dass dies so bleibt?

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3 Kommentare. Leave new

  • Dr. Jörg-Detlev Wilhelm Heinz Dreyer
    23. Februar 2024 1:11

    Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing……..bestehen noch weitere Fragen?

    Antworten
  • Thomas Eisinger
    23. Februar 2024 15:40

    Wem nützt es, dass in der Klimafrage jede Diskussion über mögliche Ursachen verhindert wird?
    Wem nützt es, dass die Pfizer Verträge geheim gehalten werden?
    Wem nützt es, dass die Unterlagen zum Mord an John F. Kennedy nach über 60 Jahren nicht veröffentlicht werden dürfen?
    Wem nützt es, dass die Internet Zensur massiv ausgebaut wird?
    Leicht ließen sich viele weitere Fragen formulieren. Die Antwort wäre jeweils eine Verschwörungstheorie, da prinzipiell Vermutungen angestellt werden müssten. Da ist es sicherer, nicht zu fragen. (Nach diesem Maßstab wäre eine Ermittlungshypothese in einem Kriminalfall auch eine Verschwörungstheorie…)

    Antworten
  • Jürgen Frisch
    25. Februar 2024 10:04

    Sehr guter Artikel. Diese Frage erklärt meistens die Hintergründe. Sollte öfters gestellt werden.

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