Wokewelt – dunkle Epoche

Der politpsychologische Frühstückssmoothie #3

Wird man eines Tages im Rückblick auf das 21. Jahrhundert sagen, dass dies eine dunkle, in Teilen psychotische Epoche war? – Vieles spricht dafür. 

Menschen glaubten an Dinge, die mit Vernunft nicht mehr nachvollziehbar waren, wird man sagen – etwa in Bezug auf mannigfache Geschlechter, Klimakipppunkte, Pandemien und manches mehr. Die Manipulierbarkeit der Massen hatte ungeahnte Ausmaße angenommen. Dabei verstärkten sich in der Realität die Probleme und Krisen. Was immer stärker wurde, waren Krisen, Angst, Massenhysterie, Meinungsdogmen, perfektionierte digitalisierte Propaganda, soziale Ausgrenzung Andersdenkender, Cancel Culture, ungezügelte Massenmigration, Gewalt im öffentlichen Raum, Deindustrialisierung, Wohlstandsvernichtung, Bellizismus, gesellschaftliche Spaltung, Hasstiraden im Internet. 

Das waren deutlich mehr als die üblichen vier apokalyptischen Reiter früherer Epochen. Es handelte sich um eine apokalyptische Reiterhorde, eine Kavallerie des drohenden Untergangs der westlichen Kultur. Es entwickelte sich daraufhin ein quasireligiöser Aberglaube, dass mit symbolischen Handlungen, wie dem Festkleben der Hände auf Asphalt oder dem zwanghaften Aussprechen von Schluckaufwörtern mit Sternchen in der Mitte, die Zukunft günstig beeinflusst werden könnte. In der Politik kamen immer häufiger Menschen nach oben, die ihre Inkompetenz in ihren Lebensläufen bereits bewiesen hatten. 

Das Paralleluniversum blüht auf

Zurück in die Gegenwart: Eine Mehrheit der Gesellschaft wird immer resignierter und hoffnungsloser. Viele Menschen fühlen sich durch Politik und Medien nicht mehr verstanden, oft noch nicht einmal mehr akzeptiert. 

Im Jahr 2022 waren nur noch 48 Prozent der Bevölkerung der Meinung, man könne sich frei äußern (Institut für Demoskopie, Allensbach). Unsere heutige Gegenwart wird, wie solche Bevölkerungsbefragungen zeigen, zunehmend als unfrei und reglementiert erlebt. Die Menschen realisieren, dass es besser ist, bestimmte kritische Gedanken nicht mehr zu äußern, vorsichtig im Umgang mit anderen, auch Nahestehenden zu sein, kurz: Angst vor sozialer Isolation und Stigmatisierung macht sich breit. 

Dies wird durch einen seit Jahren dominierenden Zwang zur politischen Korrektheit verursacht. Eine kleine Minderheit in Medien, Verwaltungen und Politik schreibt der Mehrheit vor, wie sie zu denken und zu sprechen haben. Historisch nichts Neues, aber dank der Massenmedien und sozialen Netzwerke heutzutage besonders wirksam.  

Dabei sprechen und handeln die politische und mediale Klasse immer erkennbarer aus der Perspektive eines ultraurbanen Paralleluniversums. Gleichzeitig trüben sich die Zukunftsaussichten für immer mehr Menschen ein. Eine hysterische Klimasekte, die bis in die Regierung hinein Einfluss hat, bestimmt das Denken und verhindert eine vernunftbasierte Debatte über die Klimapolitik der Zukunft. Der jähe Vorstoß der elitären Pseudoklimaretter zum Verbot fossiler Heizungsanlagen im Handstreich zeigt, dass die Anliegen der breiten Bevölkerung keine Rolle spielen. Die Vernichtung des über Jahrzehnte erworbenen Wohlstands der breiten Masse ist kein Tabu mehr.

Selbsthass als Eintrittskarte für Weiße in die woke Welt

Dass die postmodernen Apokalyptiker als Kavalleriebrigade zur Vernichtung der eigenen Wirtschaft und Kultur unterwegs sind, dämmert immer mehr Menschen, seitdem der Blick auf das Konto und in den Geldbeutel zu Schweißausbrüchen führt. Jetzt sollen sie ganz schnell ihre Heizungen wegwerfen, um mit viel Geld alternative Geräte einzubauen, während in China in jedem Monat drei neue Kohlekraftwerke ans Netz gehen. 

Hinter diesem politischen Vorgehen steckt eine Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal der eigenen Bevölkerung. Man verachtet Deutschland ohnehin und fühlt sich als polyglotter Weltbürger. Führende Regierungspolitiker verachten ihr Wahlvolk so sehr, dass sie öffentlich zugeben, dass es sie nicht interessiert, was die Bevölkerung denkt. Diese müsse sowieso umerzogen werden, beim Essen, beim Heizen, bei der Mobilität und überhaupt müsse ein neuer Mensch geschaffen werden. Alles schon mal da gewesen!

Nur die bunt-diverse Perspektive des abgehobenen Paralleluniversumsbürgers verspricht eine Befreiung aus der Enge des Selbsthasses als Nachkomme deutscher Politverbrecher auf der Urgoßelternebene. Ein diffuses Gefühl von Erbschuld macht die Apokalyptiker empfänglich für quasireligiöse Gefühle. Mit irrationalen Schuldbekenntnissen und symbolischem Sühnehandeln trachten sie sich frei zu machen von Sünden, die ganz andere begangen haben. Es herrscht eine Lust am Schuldigsein, nur um sich als die besseren Büßer zu inszenieren. 

Am Ende verleiht die Reinwaschung von Schuld durch Überwindung der eigenen kulturellen Wurzeln eine hypermoralische Imprägnierung, die dauerhaftes Seligsein verspricht. Man glaubt damit in die Welt der Erleuchteten, der Woken, eintreten zu können und kann sich genauso frei von Schuld fühlen wie die ehemals Unterdrückten, die sich mit aller Kraft befreien. Nur durch Opferstatus winkt Befreiung und Erhöhung. Es ist eine Welt der Wiedergeburt mit symbolischer Reinwaschung durch Schuldbekenntnis und anschließender moralischer Selbstüberhöhung.

Der Selbsthass auf die eigene westliche Kultur als Eintrittskarte in das woke Paralleluniversum wird von autoritären Linken immer weiter in die Gesellschaft hineingetragen. Dies erzeugt einen Konformitätsdruck bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, zu den Guten, Befreiten, Gereinigten dazuzugehören. In der schnöden Durchschnittsgesellschaft dagegen herrscht ein durch die alten Amtskirchen selbst erzeugtes religionsfreies Vakuum. Bei den gerade erst säkular Gewordenen entsteht aus Selbstreflektion schnell Selbsthass, weil irgendwelche Vorfahren Verbrechen begangen haben, oft ohne dass die Nachkommen es überhaupt wissen. Dieser Selbsthass führt sie geradewegs in die Hände der Pseudoreligion von der Befreiung durch Zerstörung der eigenen Kultur und der eigenen wirtschaftlichen Grundlagen. Jedem, der sich heute als weißer Europäer selbst hasst, kann so eine Absolution erteilt werden: „Nein, du bist nicht schuldig. Stehe auf und lebe dein Leben als Kreuzritter für alle Unterdrückten dieser Welt! Dann wirst du frei von Schuld!“ Die Justice Warriors sind die Kreuzritter von heute.

Schlachtfeld kindliche Sexualität

Wie nicht anders zu erwarten, muss bei der Schaffung des neuen Menschen ein besonderer Fokus auf die Kinder gelegt werden. Sie sollen anders denken und sprechen als jemals zuvor. Im Bereich der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen herrscht eine völlig übertriebene Fokussierung auf das Thema Sexualität vor. Wo sich früher Micky Maus, Lassie und Flipper tummelten, dominieren jetzt Dragqueens und selbsternannte Genderfrüherzieher. 

Kindheit, sogar frühe Kindheit, wird durch diese Entwicklung immer mehr sexualisiert, Kinder erkennbar zunehmend überfordert. Dies kann sich in ihrem späteren Lebensverlauf negativ auswirken. Es handelt sich im ein pädagogisches Massenexperiment mit ungewissem Ausgang. 

Die biologische Zweigeschlechtlichkeit des „Säugetieres Mensch“ wird akademisch und medial – und nicht an Stammtischen – ernsthaft in Frage gestellt. Jugendliche mit Identitätsproblemen, die für das Jugendalter entwicklungspsychologisch ein normales Durchgangsstadium darstellen, wird vorschnell das Angebot einer Transition zum anderen Geschlecht oder in den intersexuellen Bereich als Lösung angeboten. Dabei wäre es in den meisten Fällen ausreichend, die Spannung einer Identitätskrise eine Zeit lang zu begleiten und auszuhalten. 

Ein Weg aus der woken Gesellschaftsfalle?

Menschen mit wachem, skeptischem Blick auf die gesellschaftliche Entwicklung wissen schon länger, dass etwas nicht stimmt in den westlichen Demokratien. Die Meinungsfreiheit und Debattenkultur müssen deutlich gestärkt werden. Im Moment ist die Gegenrede in kritischen Medien eine der wichtigsten Möglichkeiten zum langfristigen Wandel. 

Die Skeptiker sind in einer Situation wie David gegen Goliath. Aber vergessen Sie nicht, dass David am Ende mit Mut und Zuversicht gewonnen hat. Wer nicht an seine Möglichkeiten glaubt, hat schon verloren. 

Hinzu kommt der paradoxe Tiefpunkt-Effekt. Je schneller es in einer Gesellschaft tief bergab geht, desto schneller kann es wieder aufwärts gehen. An der Aufwärtsbewegung sollten alle Kräfte guten Willens mitarbeiten. Aber dieses Aufwärts geht dann nicht von alleine. Dafür braucht es veränderte Einstellungen, Bildung, Aufklärung und Reformen. Es wird viel Arbeit geben, um die Produkte der woken Quasireligion als solche zu dechiffrieren und wieder für aufkeimende Mündigkeit sowie echte Liberalität zu sorgen. Wenn der Aberglaube einer Kultur, die sich in postmarxistischer Manier selbst hasst und zerstört, ein Ende gefunden haben wird, kann Humanismus als grundsätzliche Menschenrechtsorientierung wieder aufblühen. 

Wenn Sie sich zum Ende fragen, woher ich das alles weiß, sage ich es Ihnen gerne. Ich bin ein alter, weißer Mann. Und meine Leidenschaften über Jahrzehnte waren und sind Psychologie, Kultur- und Sozialgeschichte, Politik und Anthropologie und – last but not least – das reale Leben. Ich bin ein liberaler Philanthrop. 

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1 Kommentar. Leave new

  • Andreas Delung
    6. April 2023 9:24

    Ja, die Woken sind offenbar von Selbsthass getrieben. Aber sind deren Gegner da viel besser? Mir scheint, dass die Konservativen sich zumeist damit begnügen, sich vom woken Mainstream zu distanzieren und angesichts der Dummheit ihrer Landsleute zu resignieren. Ist das etwa hilfreicher? Wo gibt es ein konstruktives Modell für das Deutsch-Sein in der Gegenwart?

    Antworten

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