Auf dem Plattenspieler: Marvin Gaye

Künstler: Marvin Gaye

Album: What´s going on (Tamla Motown Records 1971)

Heute ist es Zeit für einen echten Klassiker, es dreht sich das Kultalbum „What´s going on“ der Soul-Legende Marvin Gaye auf dem Plattenteller. Eine Scheibe, die Anfang der 70er inhaltlich für Furore sorgte, denn so politisch kam bis dato kaum ein Soulalbum auf den Markt. Dementsprechend groß waren auch die Hürden, die Marvin Gaye im Vorfeld nehmen musste.

Doch ganz von vorne: Um Marvins Werdegang zu verstehen muss man ein paar Fakten zu seinem Umfeld wissen. Marvin Pentz Gay Jr. wurde 1939 in Washington D.C. geboren, hatte drei Geschwister und war der Sohn eines Predigers. Im Original hieß die Familie Gay, doch Marvin und sein jüngerer Bruder Franky, ebenfalls Musiker, fügten später noch das „e“ hinten an. Zum einen weil Marvins Vorbild Sam Cooke das auch gemacht hatte und zum anderen, weil man sich vom Vater abgrenzen wollte und natürlich auch, um keinen Doppeldeutungen Raum zu geben.

Nach einem überragenden Konzert in Detroit, das war Anfang der 60er, wurde das berühmte Soul- und R&B-Label Motown Records auf ihn aufmerksam und nahm ihn sofort unter Vertrag. Das war der Beginn einer erfolgreichen Partnerschaft und brachte Marvin bis Ende der 70er Jahre ganze 39 Top-40-Charthits ein. Er wurde schnell einer der ganz großen Stars bei Motown. 

Doch schon von Beginn an rumorte es in dem Ausnahmekünstler, denn er fühlte sich zu sehr in die Rolle des Schnulzensängers gedrängt, die er zwar zu Anfang ausfüllte, ihn aber zunehmend unzufriedener werden ließ. Hinzu kam dann die politische Situation Ende der 60er. Sein Bruder Frankie war gerade aus dem Vietnamkrieg zurückgekehrt und Marvin war entsetzt über die Geschichten, die er von ihm erfuhr. Dann starb auch noch Marvins langjährige Duettpartnerin und Freundin Tammi Terrell an einem Gehirntumor, was Marvin in eine schwere depressive Phase warf. 

All diese Erfahrungen ließ er in seine Texte für das Album „What´s going on“ einfließen: politische Aussagen zu Umweltschutz, Korruption und Krieg, sowie Gedanken über Drogenmissbrauch und Gesundheit, zu dieser Zeit etwas völlig neues in seinem Genre.

Dementsprechend schwierig waren auch die Anfänge. Als Gaye den Titelsong bei Motown vorstellte, war der Chef des Labels, Barry Gordy, überhaupt nicht begeistert und weigerte sich die Single zu veröffentlichen. Der Text sei viel zu kritisch und er sähe keine Erfolgschancen. Marvin Gaye musste ihm erst damit drohen, nie wieder für Motown zu singen, bevor Gordy dann doch einwilligte. Und was geschah dann? Allen Zweifeln zum Trotz ging die Nummer auf Platz eins der R&B-Charts und sogar auf Platz zwei der Pop-Charts. 

Das brachte Gordy ganz schnell zum Umdenken. Er forderte Marvin Gaye dazu auf, das komplette Album in diesem Stil zu produzieren. Es war auch der erste Longplayer, den er komplett selber produzierte. Es wurde eines seiner ganz großen Meisterwerke. 

Das Album hielt sich neun Wochen auf Platz eins der R&B-Charts und war dazu mit vier Top-Ten-Singles auch kommerziell überaus erfolgreich. Zudem öffnete diese Scheibe den Markt für Soulmusik, die mit politisch und gesellschaftlich kritischen Tönen daher kommt.

Marvin Gaye ist für mich eine Legende. Sein musikalischer Stil mit Einflüssen aus Jazz und Klassik war wegweisend, seine Soundtracks großartig komponiert und alles immer gewürzt mit seinen tiefgründigen Texten. Sein Werk hat mir immer wieder Gänsehautmomente beschert und nicht nur Prince, sondern auch mich und viele andere Musiker hat es in ihrem musikalischen Schaffen inspiriert.

Unheimlich traurig, dass er bereits einen Tag vor seinem 45. Geburtstag sterben musste, von seinem eigenen Vater im Streit erschossen. Und das ausgerechnet mit einer Waffe, die Marvin ihm selbst einmal zu Weihnachten geschenkt hatte. 

Was uns aber immer bleiben und an einen großartigen Künstler erinnern wird, ist zum Glück auf vielen Tonträgern verewigt worden: seine wunderbare emotionale Musik. 

Hören Sie hier auf YouTube seinen Motown Klassiker „What´s going on“ in voller Länge.

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