Erster LSD Trip
Tagesgericht: Heute vor 83 Jahren entdeckt Albert Hofmann zufällig die Wirkung von LSD
„Zu Hause legte ich mich nieder und versank in einem nicht unangenehmen rauschartigen Zustand, der sich durch eine äusserst angeregte Phantasie kennzeichnete.“, so beschreibt Albert Hofmann seinen ersten LSD-Trip, „Im Dämmerzustand bei geschlossenen Augen – das Tageslicht empfand ich als unangenehm grell – drangen ununterbrochen phantastische Bilder von ausserordentlicher Plastizität und mit intensivem, kaleidoskopartigem Farbenspiel auf mich ein. Nach etwa zwei Stunden verflüchtigte sich dieser Zustand.“
Das klingt doch durchaus interessant … Dachte ich jedenfalls damals in einer Phase intensiven Hörens von The Doors und des Lesens von „Unterwegs“ („On the road“) von Jack Kerouac in meiner WG-Phase zu Beginn meines Studiums. In einer Phase, in der ich sehr empfänglich war für die befreienden Verheißungen von Musik und Literatur, empfand ich meinen recht eng getakteten Alltag zwischen Uni, Bücherstudium und das Studium finanzierenden Tätigkeiten als sehr unfrei. Ach ja. Hesse, „Der Steppenwolf“, habe ich auch gelesen.
Wobei ich LSD quasi nie „inhaliert habe“, um dieses geflügelte Wort des Drogenkonsums zu benutzen, dafür hatte ich ehrlich gesagt zu viel Angst, dass ich vielleicht nicht mehr vom Trip runterkomme und in geistig völliger Unfreiheit ende.
Albert Hofmann war da, nachdem er vor 83 Jahren, am 16. April 1943, zufällig die Wirkung von LSD entdeckt hatte, mutiger und untersuchte, auch im Selbstversuch, die vermutete befreiende Wirkung.

Lysergsäurediethylamid
Albert Hofmann, geboren am 11. Januar 1906, gestorben am 29. April 2008, war ein Schweizer Chemiker, der in der Arzneimittelforschung arbeitete. Mit dem Ziel, ein Kreislaufstimulans zu entwickeln, forschte er an dem Getreidepilz Mutterkorn.
Der Mutterkornpilz produziert giftige Alkaloide, diese giftige Wirkung war schon seit dem Mittelalter bekannt. Auf Mutterkorn zurückgehende Massenvergiftungen – Antoniusfeuer genannt – traten oft als Begleiterscheinungen von Hungersnöten auf. Schon lange war aber auch bekannt, dass das Mutterkorn als Heilmittel angewendet werden kann. Die Dosis macht das Gift …
Albert Hofmann stellte aus Mutterkorn am 16. November 1938 erstmals Lysergsäurediethylamid (LSD) her. Weil die Substanz in Tierversuchen aber nicht die gewünschte Wirkung zeigte und daher für die pharmazeutische Nutzung ungeeignet erschien, arbeitete er zunächst nicht weiter an ihr.
Doch das Lysergsäurediethylamid ließ Hofmann nicht los.
Im Labor der Sandoz AG in Basel synthetisierte er 1943 erneut Lysergsäurediethylamid, um daran weiterzuforschen. Dabei kam es dann zu der versehentlichen Einnahme von LSD über die Haut und den ersten LSD-Trip mit Unruhe und Unwohlsein, aber auch zwei Stunden intensiver kaleidoskopartiger, farbiger Visionen.
Hofmann wollte mehr wissen.
Pforten der Wahrnehmung
Am 19. April 1943 wagte er einen Selbstversuch unter kontrollierten Bedingungen.
Er erlebte dabei eine intensive psychedelische Reise, die von Visionen, intensiven Emotionen und einer tiefen Verbindung zur Natur geprägt war.
Sein Heimweg auf dem Fahrrad wurde symbolisch für die erste bewusste Erfahrung eines LSD-Rausches und gilt seitdem als „Bicycle Day“.
Nachträglich stellte sich heraus, dass es sich bei der von ihm gewählten Dosis um das Drei- bis Fünffache der (aus heutiger Sicht) normal wirksamen Dosis handelte.
1945 kontaktierte Hofmann den Schriftsteller Ernst Jünger (1895-1998), von dem er wusste, dass dieser mit Drogen experimentierte. „Es sind dies Experimente, bei denen man früher oder später in recht gefährliche Kammern tritt und sich freuen darf, wenn man mit einem blauen Auge davongekommen ist“, so schrieb Jünger an Hofmann.
Es entspann sich eine jahrzehntelange Freundschaft, ein Briefwechsel und gemeinsame Experimente mit LSD: „Wir [hatten] uns der Pforte zu einer mystischen Seinserfahrung genähert; sie öffnete sich aber nicht.“, schreibt Hoffman im Rückblick.
Jünger, der seine Erfahrungen auch in seinen Büchern schildert, zum Beispiel in „Annäherungen. Drogen und Rausch“ schreibt in einem Brief: „Verglichen mit dem Tiger Meskalin ist Ihr LSD doch nur eine Hauskatze.“ (Zitate stammen aus dem Artikel „LSD – Kulturgeschichte einer Modedroge“ aus der Pharmazeutischen Zeitung).
Aber was für ein Kätzchen auch immer. Seit seiner Entdeckung hat LSD tiefe Spuren in der Popkultur und Literatur hinterlassen. Besonders in den 1960er Jahren wurde die Droge zum Symbol eines geistigen Aufbruchs: Künstler, Musiker und Schriftsteller sahen in ihr ein Tor zu neuen Bewusstseinsebenen.
Autoren wie Aldous Huxley („Die Pforten der Wahrnehmung“, eine Wendung, die The Doors zu ihrem Namen inspirierte) und Timothy Leary propagierten LSD als Werkzeug zur Selbsterkenntnis und geistigen Erweiterung.
Auch in der Literatur beeinflusste LSD die Beat-Generation um Allen Ginsberg und William S. Burroughs, die das Rauschhafte als künstlerische Befreiung verstanden.
1966 wurde LSD in den USA verboten, 1967 in Deutschland, seinen Ruf als die Pforten der Wahrnehmung öffnende und den Geist befreiende Substanz hat es behalten.
Ich habe als Barkeeper zwar ein paar Cocktails kreiert, denen die Verköstiger durchaus befreiende Wirkung zusprachen. Aber meine eigenen Konsumgewohnheiten sind konservativ. Ich für meinen Teil halte mich lieber ans Hefekorn als ans Mutterkorn und ziehe ein Bier einem Trip vor. Da bin ich wenig experimentierfreudig.
Mehr zu Medizin im Sandwirt:
„Stammtisch #37: Dr. Gunter Frank“. Am Stammtisch des Sandwirts heißt Julian Marius Plutz den Allgemeinmediziner, Naturheilkundler und Autor Dr. Gunter Frank willkommen.



