Mein Outing als umstrittener Autor

Diesen Text gibt es auch als Episode im Wurlitzer, dem Podcast des Sandwirts: Hier.

Vor einiger Zeit lud mich ein lieber Mensch ein, und ich hatte den schönsten Tag meines Lebens. Wir besuchten eine Veranstaltung mit einem Staatspräsidenten, der zu Gast in diesem Land war. Naja, zumindest fast. Immerhin hatten wir es bis ins Hotel geschafft, und am Ende ergaben sich im Nachgang noch gute Gespräche mit Menschen, die ich kannte, und Menschen, die ich neu kennenlernen durfte. Das Wetter hielt, was für diese Region keine Selbstverständlichkeit ist, und daher liefen wir zur Stammkneipe meines Idols der Kindheit, das bereits vor einigen Jahren das Zeitliche gesegnet hatte. Es war ein perfekter Tag, ein Tag zum Einrahmen und vielleicht sogar ein Tag, um Helden zu zeugen.

Warum erzähle ich Ihnen das, fragen Sie sich? Nun, der perfekte Tag hatte einen Vortag, und dieser endete mit einer merkwürdigen Begegnung, die sich erst später auflöste. Der besagte Freund, der mich einlud, stellte mir nach Mitternacht einen Kollegen vor, den ich vorher nicht kannte, was auf Gegenseitigkeit beruhte. Die Begegnung war oberflächlich sowie belanglos, doch immerhin hatte der Kollege Lust auf Gras, womit ich völlig überraschend auch dienen konnte. Wir rauchten, er ging nach Hause, und ich hatte die Person so gut wie vergessen.

Sie nennen uns „Querschwurbler“, wahlweise schlicht „Nazi“

Bis zum nächsten Tag. Denn der Kollege hatte meinen Namen gegoogelt. Jetzt wusste er, dass ich für „schreckliche“ Medien wie Junge Freiheit, Sandwirt, Weltwoche, Achgut, Ansage, Jüdische Rundschau und andere „Grausamkeiten“ mehr schreibe. Also mahnte er meinen Freund, er hätte etwas dagegen, dass er „irgendwelche Leute“ ungefragt anschleppe. Aber für das Gras war ich noch gut genug.

Möglicherweise denken Sie jetzt, es wurde mein Ego gekränkt. Doch das ist nicht der springende Punkt; mir wurden schon ganz andere Sachen vor die Füße geknallt. Es geht um die Tatsache, dass ein Outing als unliebsamer Autor für sich selbst und für sein Umfeld unliebsame Folgen haben kann. Es geht längst nicht mehr darum, was jemand gesagt hat, sondern vielmehr darum, wer die Person ist und wo sie schon mal etwas gesagt oder, in diesem Fall, geschrieben hat.

Ich nehme dieses plakative Beispiel genau deswegen, weil es so plakativ, also nachvollziehbar ist. Viele Leser hatten ähnliche „Outings“, da bin ich mir sicher. Allein, was sich Kritiker anhören mussten, die die Coronamaßnahmen kritisierten. Von „Querdenker“ bis „Schwurbler“, wahlweise schlicht „Nazi“. Für kaum eine diffamierende Zuschreibung war sich „Team Vorsicht“, wie sie sich lächerlicherweise nannten, zu dämlich.

Alles ist erlaubt im Kampf gegen „Hass und Hetze“

Mich persönlich treffen solche Momente nicht mehr. Zu oft war ich bereits in der Situation, mich dafür rechtfertigen zu müssen, wie ich bin. Wo wir bei einem anderen Outing sind: Als schwuler Mann. Linksbesaitete müssen jetzt sehr stark sein, aber es ist wahr: Zwar gab es vereinzelt auch unschöne Momente, was dieses Outing anging, doch im Vergleich zum Outing als unliebsamer Autor war dies geradezu ein Aufenthalt im Robinson Club.

Denn es ist etwas anderes, bei Menschen, die man neu kennenlernt, ständig auf der Lauer sein zu müssen, dass sie deinen Namen googeln und dich als Nazi abstempeln, als aus Gründen der Biologie homosexuell zu sein. Linke gestehen jeder auch noch so kruden sexuellen Orientierung ihren Platz zu. Doch bei anderen Meinungen sind sie nicht so gnädig. Denn, so denkt es in ihnen, der böse Rechte kann ja seine Meinung in Richtung links ändern, um bei der Erschaffung des neuen Menschen mitzuhelfen. Der Schwule ist ja so geboren, der kann nicht anders.

Die Annahme ist zwar richtig, dennoch bleibt bei dieser Herangehensweise etwas Bitteres bestehen: die tiefe Abneigung gegenüber anderen Meinungen. Mehr noch: Wir leben in einer Gesellschaft, die die Unkultur des Ausgrenzens unliebsamer Standpunkte zum Heiligen Gral im Kampf gegen „Hass und Hetze“ gemacht hat. Dabei ist ein Zusammenleben, das nur dadurch zusammengehalten wird, dass gewisse Menschen ihre Meinung aufgrund eines fragilen Burgfriedens verschweigen, ein zutiefst falsches Leben. Denn ein richtiges Leben gibt es nun mal nicht im falschen.

Diese Regierung ist an Freiheit nicht interessiert 

Und so ist es kein Wunder, dass es in Deutschland unter Redaktionen „Ausschließlichkeitserklärungen“ gibt. Weil ein Autor für Medium A schreibt, kann er unmöglich für Medium B schreiben, weil die Macher von Medium B finden, dass Medium A rechtsradikal sei. Dabei ist es egal, was der Inhalt des Textes ist. Es genügt, dass der Autor bei Medium A publizierte. Diese schreckliche Unterkomplexität hat in Deutschland längst Schule gemacht und bietet den Lackmustest einer Gesellschaft, die sich formal längst von der Freiheit des Wortes verabschiedet hat.

Wo wir beim Thema Libertarismus in Deutschland angelangt sind. Dieser ist zwar nicht tot, aber hierzulande nur in homöopathischen Dosen zu finden. Wenn einem freiheitlichen Präsidenten aus Lateinamerika in Deutschland die üblichen Würden eines Staatsempfangs verwehrt werden, dann ist das Signal offenkundig: Diese Regierung ist an echter Freiheit jenseits ihrer unmaßgeblichen Ampelpolitik nicht interessiert.

Abschied bleibt ein scharfes Schwert

Sie wollen den Austausch nicht. Sie wollen andere Meinungen nicht hören. Deswegen steht Milei für ein völlig aussageloses, deutsches Medienbild für „Marktfaschismus“, was eigentlich ein Oxymoron ist, würde man mehr als eine Sekunde über eine Überschrift nachdenken, was für viele Kollegen wohl eine kaum überbrückbare Herausforderung darstellt. Sie wollen nicht besser werden. Sie haben keine Lust auf intellektuelle Herausforderungen. Und den Diskurs, den haben sie längst abgeschafft und die Protagonisten weggecancelt.

Nach dem schönsten Tag meines Lebens in Hamburg habe ich mehr Fragezeichen als Punkte oder Ausrufezeichen. Ich bin mir sicher, dass eine Gesellschaft, die besser ist, weil sie auch andere Meinungen zulässt, möglich ist. Weil einfach jeder Mensch möglich ist.

Am Ende hieß es Abschied nehmen, was nicht meine Kernkompetenz ist. Ich nehme die lieben Menschen und die schönen Begegnungen mit in die Orte, in denen ich noch sein werde. Ich weiß, dass die Freiheit des Wortes eine Dringlichkeit evoziert, die ab einem gewissen Punkt kein Staat und keine Regierung mehr kontrollieren kann. Ich freue mich, bei all den Widrigkeiten, die kommen mögen, auf diesen Tag.

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3 Kommentare. Leave new

  • H. Gerget
    3. Juli 2024 21:05

    Für mich geht es eigtl nicht ausschließlich um die politische Gesinnung. Klar, wer mag m ner Person zusammen sein, die ihre Rechtfertigung und Bestätigung von einer stark beschränkten Ossifanbase mit interessanter Gesinnung bezieht? Aber Schwamm drüber. Mir gehts um den Charakter u der ist bei Ihnen labil und weinerlich, vllt sind Sie sogar ein RiesenUnsymphat u die Leute nehmen schon Reißaus bevor sie Ihre Abgründe auftun.

    Antworten
  • Nicht die Regierung ist nicht an Freiheit interessiert, das Volk ist nicht an Freiheit interessiert. Das ist das eigentliche Problem.

    Antworten
  • Nordlicht
    3. Juli 2024 22:33

    Derartige Pauschal-Einstufungen und Ausgrenzungen hat wohl jeder erlebt, der sich ab ca. 2010 zu umstrittenen Politikentscheidungen geäussert hat. Es begann nach meiner Erinnerung mit dem Wandel Merkels zur Kernkaft; sie hatte damals wegen Landtagswahlen Fukushima zum Anlaß genommen, die CDU zum AKW-Ausstieg zu drehen. Das wurde vom ÖRR und der Presse einhellig bejubelt; es gab praktisch keine abweichende Medien-Meinung mehr.
    Das setzte sich 2012 mit der EU-Vergemeinschaftung der Schulden und 2015 mit der Grenzöffnung fort.
    Diese Positonsänderungen wurden nicht sachlich-inhaltlich begründet, sondern emotional. Wer dagegen argumentiert, wurde als moralisch minderwertig eingestuft.

    Nach Corona 2020 ff. wurde das nochmals verschärft. Seit die CDU voll auf Grünen- und SPD-Kurs geschwenkt ist, gelten abweichende Positionen als rechtsextrem – egal ob es sich um Kernkraft, EU-Finanzen, Klimapolitik ohnehin, oder – aktuell – um den Ukrainekrieg geht.

    Daß der Bekannten- und Freundeskreis kleiner wird, kann man verschmerzen. Wer Familienbeziehungen aufrecht erhalten möchte, muss man sich sehr, sehr vorsichtig äussern. Eine solche aggressive Spaltung der Gesellschaft habe ich nie erlebt; ich erlebe politische Konflikte bewusst mit seit Anfang der 60er Jahre.

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